Was man in einem Letzte Hilfe Kurs lernt

Am Ende wissen, wie es geht

Das Lebensende und Sterben unserer Angehörigen, Freunde und Nachbarn macht uns oft hilflos, denn uraltes Wissen zum Sterbegeleit ist mit der Industrialisierung schleichend verloren gegangen.
Um dieses Wissen zurückzugewinnen, bieten wir einen Kurzkurs zur „Letzten Hilfe“ an.
In diesen Letzte Hilfe Kursen lernen interessierte Bürgerinnen und Bürger, was sie für die ihnen Nahestehenden am Ende des Lebens tun können.

Kleines 1×1 der Sterbebegleitung

Wir vermitteln Basiswissen und Orientierungen und einfache Handgriffe. Sterbebegleitung ist keine Wissenschaft, sondern ist auch in der Familie und der Nachbarschaft möglich.
Wir möchten Grundwissen an die Hand geben und ermutigen, sich Sterbenden zuzuwenden. Denn Zuwendung ist das, was wir alle am Ende des Lebens am meisten brauchen.

Begleiten statt töten

Die letzte Hilfe, die einem Menschen in seinem Leben zuteil wird, darf keine sein, die ihn tötet.
Der Abschied vom Leben ist der schwerste, den die Lebensreise für einen Menschen bereithält. Deshalb braucht es, wie auf allen schweren Wegen, jemanden der dem Sterbenden die Hand reicht.
Diese Hand zu reichen erfordert nur ein bisschen Mut und Wissen.
In unseren Letzte Hilfe Kursen vermitteln wir beides.

 
Foto: Deutsche Palliativ Stiftung

Ein ausgezeichnetes Projekt

Unsere Letzte Hilfe Kurse wurden schon mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Preis der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin

Letzte Hilfe hat zum Beispiel 2015 den „Anerkennungs- und Förderpreis für ambulante Palliativversorgung“ gewonnen, da wir uns mit unserer Idee in besonderer Weise für die Entwicklung der Palliativmedizin im ambulanten Bereich stark gemacht haben.

Startsocial

Als Teilnehmer des bundesweiten Wettbewerbs Startsocial wurden wir als eines der besten sozialen Projekte Deutschlands 2015 ins Kanzleramt eingeladen und von unserer Bundeskanzlerin geehrt. Es war ein aufregender Tag und unsere Letzte Hilfe Kurse haben viel Zuspruch bekommen.

Darüber hinaus gab es unterschiedliche Auszeichnungen im Rahmen der internationalen Palliative Care Network Conference 2012 und 2015 sowie für die Teilnahme am Projekt HelferHerzen 2016.

Entstehung

Die Idee eines Letzte Hilfe Kurses wurde von Georg Bollig erstmals 2008 im Rahmen seiner Master Thesis zum Master of Advanced Studies (MAS) in Palliative Care beschrieben. Die Arbeit ist seit 2010 im LIT-Verlag als Buch erhältlich: Palliative Care für alte und demente Menschen lernen und lehren

Nach der ersten Beschreibung wurden die Idee und die Kurse auf zahlreichen Veranstaltungen und Kongressen präsentiert. Die ersten Letzte Hilfe Kurse gab es 2014 in Norwegen und 2015 in Deutschland und Dänemark. Weitere Informationen zur Geschichte der Kurse finden sich in einem Übersichtsartikel von Bollig und Heller (2016): The last aid course – A Simple and Effective Concept to Teach the Public about Palliative Care and to Enhance the Public Discussion about Death and Dying

Die Kette der Palliativversorgung - Chain of Palliative Care

Geschichte

Schon Henry Dunant, der Begründer der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung hat Sterbenden auf dem Schlachtfeld von Solferino beigestanden. Dort leistete er sowohl Erste Hilfe, als auch Letzte Hilfe. In einem Bericht über die Arbeit von Henry Dunant nach der Schlacht von Solferino 1859 heisst es: ”Dunant versuchte nach besten Kräften zu helfen. Er kniete neben schwer Verwundeten, die ihn anflehten an ihrer Seite zu bleiben, bis zu ihrem letzten Atemzug, damit sie nicht alleine sterben sollten.”

(Buk-Swienty: Slagtebænk Dybbøl, Gyldendal; übersetzt aus dem Dänischen von G. Bollig)

Erste und Letzte Hilfe

Erste Hilfe und letzte Hilfe gemeinsam ist eine humane Haltung und die Bereitschaft anderen Menschen in Not beizustehen. Beides kann aktiv geschehen wie zum Beispiel durch das Verbinden von Wunden und die Herz-Lungen-Wiederbelebung in der Ersten Hilfe. Aber auch letzte Hilfe kann aktiv sein durch die Mundpflege, das Haltgeben bei Unruhe/Verwirrtheit, aber auch Dasein/Dableiben angesichts schwieriger Situationen bei Sterbenden. Eine hinwendende Haltung und bürgerschaftliches Engagement bilden das gemeinsame Fundament von Erster und Letzter Hilfe.

Definitionen von Erste Hilfe und Letzte Hilfe nach Dr. Bollig

Erste Hilfe: Maßnahmen zur Hilfe bei akuter Verletzung und Erkrankung mit dem primären Ziel, das Überleben der Betroffenen zu sichern.

Letzte Hilfe: Maßnahmen zur Hilfe bei lebensbedrohlichen Erkrankungen mit dem primären Ziel, der Linderung von Leiden und Erhaltung von Lebensqualität.

Der Letzte Hilfe Kurs

Im Kurs sprechen wir über die Normalität des Sterbens als Teil des Lebens, natürlich werden auch Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht kurz angefügt. Wir thematisieren mögliche Leiden als Teil des Sterbeprozesses und wie wir   lindern können. Zudem gehen wir darauf ein, wie man mit den schwereren, aber auch den leichteren Stunden umgeht. Wir überlegen abschließend gemeinsam, wie man Abschied nehmen kann und besprechen unsere Möglichkeiten und Grenzen.

Wie auch bei der Ersten Hilfe soll die Letzte Hilfe Wissen zur humanen Hilfe und Mitmenschlichkeit in schwierigen Situationen vermitteln.

Kursinhalte

Erfahrene Hospiz- und PalliativmitarbeiterInnen bieten Letzte Hilfe Kurse bei Ihnen vor Ort an. Die Kurse können kompakt an einem Nachmittag oder Abend absolviert werden. Die TeilnehmerInnen lernen Letzte Hilfe, also die Begleitung Schwerkranker und Sterbender am Lebensende.

Die vier Unterrichtsstunden stehen jeweils für eines der vier Module:
1. Sterben ist ein Teil des Lebens
2. Vorsorgen und Entscheiden
3. Leiden lindern
4. Abschied nehmen

Eine Idee verbreitet sich

Mehr als 9000 Bürgerinnen und Bürger haben bereits an Letzte Hilfe Kursen teilgenommen. Mehr als 1800 KursleiterInnen sind ausgebildet worden.

Mittlerweile gibt es Letzte Hilfe Kurse in einigen europäischen Ländern: z.B. Norwegen, Dänemark, Schweiz, Littauen, Österreich und Schottland.

Das Buch zum Kurs

Bollig G, Heller A, Völkel M. Letzte Hilfe – Umsorgen von schwer erkrankten und sterbenden Menschen am Lebensende. 2016 Hospizverlag Ludwigsburg.

Erschienen im Hospizverlag, erhältlich im Buchhandel in Ihrer Nähe oder im Onlinebuchhandel.

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