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ENTSTEHUNG

Die Idee eines Letzte Hilfe Kurses wurde von Georg Bollig erstmals 2008 im Rahmen seiner Master Thesis zum Master of Advanced Studies (MAS) in Palliative Care beschrieben. Die Arbeit ist seit 2010 im LIT-Verlag als Buch erhältlich: Palliative Care für alte und demente Menschen lernen und lehren

Nach der ersten Beschreibung wurden die Idee und die Kurse auf zahlreichen Veranstaltungen und Kongressen präsentiert. Die ersten Letzte Hilfe Kurse gab es 2014 in Norwegen und 2015 in Deutschland und Dänemark. Weitere Informationen zur Geschichte der Kurse finden sich in einem Übersichtsartikel von Bollig und Heller (2016): The last aid course – A Simple and Effective Concept to Teach the Public about Palliative Care and to Enhance the Public Discussion about Death and Dying

Die Kette der Palliativversorgung - Chain of Palliative Care

GESCHICHTLICHES

Schon Henry Dunant, der Begründer der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung hat Sterbenden auf dem Schlachtfeld von Solferino beigestanden. Dort leistete er sowohl Erste Hilfe, als auch Letzte Hilfe. In einem Bericht über die Arbeit von Henry Dunant nach der Schlacht von Solferino 1859 heisst es: ”Dunant versuchte nach besten Kräften zu helfen. Er kniete neben schwer Verwundeten, die ihn anflehten an ihrer Seite zu bleiben, bis zu ihrem letzten Atemzug, damit sie nicht alleine sterben sollten.”

(Buk-Swienty: Slagtebænk Dybbøl, Gyldendal; übersetzt aus dem Dänischen von G. Bollig)

ERSTE UND LETZTE HILFE

Erste Hilfe und letzte Hilfe gemeinsam ist eine humane Haltung und die Bereitschaft anderen Menschen in Not beizustehen. Beides kann aktiv geschehen wie zum Beispiel durch das Verbinden von Wunden und die Herz-Lungen-Wiederbelebung in der Ersten Hilfe. Aber auch letzte Hilfe kann aktiv sein durch die Mundpflege, das Haltgeben bei Unruhe/Verwirrtheit, aber auch Dasein/Dableiben angesichts schwieriger Situationen bei Sterbenden. Eine hinwendende Haltung und bürgerschaftliches Engagement bilden das gemeinsame Fundament von Erster und Letzter Hilfe.

Definitionen von Erste Hilfe und Letzte Hilfe nach Dr. Bollig:

Erste Hilfe
Maßnahmen zur Hilfe bei akuter Verletzung und Erkrankung mit dem primären Ziel, das Überleben der Betroffenen zu sichern.

Letzte Hilfe
Maßnahmen zur Hilfe bei lebensbedrohlichen Erkrankungen mit dem primären Ziel, der Linderung von Leiden und Erhaltung von Lebensqualität.

DER LETZTE HILFE KURS

In Zukunft werden erfahrene Hospiz- und PalliativmitarbeiterInnen Letzte Hilfe Kurse bei Ihnen vor Ort anbieten. Die Kurse können kompakt an einem Nachmittag oder Abend absolviert werden. Die TeilnehmerInnen lernen Letzte Hilfe, also die Begleitung Schwerkranker und Sterbender am Lebensende.

Die vier Unterrichtsstunden stehen jeweils für eines der vier Module:
1. Sterben ist ein Teil des Lebens
2. Vorsorgen und Entscheiden
3. Leiden lindern
4. Abschied nehmen vom Leben

KURSINHALTE

Im Kurs sprechen wir über die Normalität des Sterbens als Teil des Lebens, natürlich werden auch Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht kurz angefügt. Wir thematisieren mögliche Leiden als Teil des Sterbeprozesses und wie wir   lindern können. Zudem gehen wir darauf ein, wie man mit den schwereren, aber auch den leichteren Stunden umgeht. Wir überlegen abschließend gemeinsam, wie man Abschied nehmen kann und besprechen unsere Möglichkeiten und Grenzen.

Wie auch bei der Ersten Hilfe soll die Letzte Hilfe Wissen zur humanen Hilfe und Mitmenschlichkeit in schwierigen Situationen vermitteln.

PILOTKURSE

Im Jahr 2015 fanden in Schleswig-Holstein, Norwegen und Dänemark die ersten Letzte Hilfe Kurse statt.

Einer unserer ersten Teilnehmer sagte:

„Letzte Hilfe“ ist ein provokanter Titel, der neugierig macht. Das ist gut, denn das Thema braucht angesichts der aktuellen Debatte um Sterbehilfe mehr Aufmerksamkeit, damit nicht die Mehrheit, die von den Möglichkeiten der Palliativmedizin nichts weiß, den Ton bestimmt. Inhaltlich gelungen ist der Wechsel zwischen Information einerseits und der Frage nach den persönlichen Einstellungen, die ja stärker handlungsleitend sind als all unser Wissen.
Mein Rat: unbedingt teilnehmen!“
Rüdiger Tietz
Dozent für Pflege-Ethik und Sterbebegleitung, Fachbuchautor

Im Frühjahr 2015 erfolgte eine erste Evaluation der Kurse. Die erste Schulung für KursleiterInnen fand am 10.10.2015 in Schleswig statt. Weitere Schulungen für zukünftige KursleiterInnen sind geplant und wir hoffen dass baldmöglichst viele Hospizvereine, Volkshochschulen und andere Organisationen vor Ort Letzte Hilfe Kurse anbieten können.

Wenn sie jetzt schon Fragen zu Sterben und Tod haben, wenden sie sich doch an ein Hospiz in ihrer Nähe, diese beraten sie bei Problemen in der Versorgung ihrer Lieben…

Der erste wissenschaftliche Artikel über die Erfahrungen der Pilotkurse in Deutschland wurde übrigens 2015 mit dem deutschen Förderpeis für ambulante Palliativversorgung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (gestiftet von der Firma Grünenthal) ausgezeichnet.

Bollig G, Kuklau N. Der Letzte Hilfe Kurs – ein Angebot zur  Verbesserung der allgemeinen ambulanten Palliativversorgung durch Information und Befähigung von Bürgerinnen und Bürgern. Z Palliativmed 2015; 16:210-216.

TEAM

Dr. med. Georg Bollig, PhD, MAS Palliative Care, DEAA

Clin. Ass. Professor für Palliative Care an der University of Southern Denmark

ist Palliativmediziner, Notfallmediziner und Forscher.  Er arbeitet als Leitender Arzt des Palliativteams und der Palliativstation des Regionskrankenhauses in Süd-Dänemark (Sygehus Sønderjylland) und des Hospizes in Haderslev.

Neben der klinischen Tätigkeit in der Palliativversorgung ist er Clinical Associate Professor und leitet die Forschungsgruppe für Palliative Care der medizinischen Abteilung des Regionskrankenhauses in Süd-Dänemark / University of Southern Denmark. Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte sind ethische Herausforderungen und Entscheidungen, Telemedizin und Letzte Hilfe Kurse.

Georg leitet die internationale Arbeitsgruppe zur Letzten Hilfe. Von ihm stammt die Idee der Letzte Hilfe Kurse.

Dr. med. Ingmar Hornke, DEAA

ist Palliativmediziner, Anästhesist und Notfallmediziner. Er arbeitet als Geschäftsführer im PalliativTeam Frankfurt gGmbH, welches neben einem PalliativTeam für Erwachsene in Frankfurt am Main, auch das KinderPalliativTeam Südhessen betreibt.

Neben seiner Tätigkeit in diesem Bereich hat er 2016 das Würdezentrum gUG gegründet. Als Aktiver in der Palliativversorgung wurde ihm schon sehr früh klar, dass es eben nicht nur ausreicht eine gute Palliativversorgung in der letzten Lebensphase zu organisieren, sondern durch sein Handeln auch aktiv dazu beizutragen, dass sich im Gesundheitswesen innovative nachhaltige Projekte mit dem Würdeerleben beschäftigen sollten. Letzte Hilfe Kurse sind hierfür ein ganz wesentlicher Baustein.

Marina Schmidt

ist Krankenschwester, Palliative Care Fachkraft, Hospizfachfrau und systemische und psychoonkologische Beraterin . Sie arbeitet als leitende Koordinatorin von zwei Hospizdiensten in Hamburg.

Die Verbesserung der Situation schwerkranker und sterbender Menschen in unserer Gesellschaft und in Institutionen des Gesundheitswesens, sowie die Unterstützung der Zugehörigen, ist ihr eine Herzensangelegenheit.

„Die Auseinandersetzung in der Gesellschaft mit der Endlichkeit und der Sorge füreinander in der letzten Lebensphase, ist immer noch mit vielen Ängsten und Unsicherheiten verbunden. Die letzte Hilfe Kurse tragen dazu bei, Krankheit, Alter und Tod (wieder) als natürlichen Teil des Lebens in das gesellschaftliche Leben zu integrieren.“

Boris Knopf

ist Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivpflege, Palliative Care Fachkraft und Gesundheitsnetzwerker (FH). Er arbeitet als geschäftsführende Teamleitung ebenfalls im PalliativTeam Frankfurt gGmbH und hat gemeinsam mit Ingmar das Würdezentrum gUG gegründet.

„Die Letzte Hilfe Kurse sind mir ein großes Anliegen, weil wir hierdurch dafür sorgen können Bürger wieder mehr für das Thema Tod und Sterben zu sensibilisieren. Das Wissen darum gehört zurück in die Gesellschaft, nimmt Ängste und macht Mut. Wir können uns vor allem verstecken, aber nicht vor dem Tod!“